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Weltfahrt: Dschungel, ein Floß und Malaria – Laos 2002 |
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Weltfahrt?!
Seit nunmehr 7 Monaten sind wir unterwegs, aufgebrochen zu Fuß im Weinbach, per Tramp durch Europa, die Türkei, den Iran bis Pakistan, mit eigenen Motorrädern durch Indien, dann durch Nepal, Tibet, China, Vietnam und Kambodscha, aufgebrochen zu dritt, mal kurzzeitig zu viert und jetzt noch zu zweit.
Weltfahrt, das sind unzählige Eindrücke, Erkenntnisse, Einsichten und eine Portion Erfahrung. Weltfahrt? Ein buntes Bilderbuch, das wir erlebend durchschreiten. Was dauerhaft bleibt, das sind die tiefen Erlebnisse und prägenden Momente...
Nachtquartier bei Terre des Hommes
Es wird schon dämmrig, als wir nach einem anstrengenden und heißen Tag das Dorf Taoy im Bergland von Südlaos erreichen. Was uns beschäftigt ist auch hier in diesem abgelegenen Dorf erst mal unser Durst und Hunger. Die Frau in dem Krämerladen reicht uns kalten Tee, mehr scheint sie nicht zu haben, Kaffee wohl noch, aber nichts zu essen. Ja gibt es hier denn gar nichts? Eier hat sie und eine Suppe ließe sich wohl auch machen, nur: wir sprechen ja keine gemeinsame Sprache. Es ist jedenfalls nicht einfach sich ihr mitzuteilen. Wir fragen sie, wo wir schlafen können, eventuell hier im Haus? Na, da winkt sie gleich ab, irgendwo weiter hinten am Fluß, da soll was sein. Ich gehe hin und finde ein leeres Haus. Wenigstens das wäre geklärt. Nun werde ich versuchen, ihr das mit dem Essen zu erklären, Pat will sich derweil das leere Haus auch einmal ansehen. Als ich sie dann soweit habe, daß sie eine Nudelsuppe bereiten will, kommt Pat zurück. Kurz angebunden sagt er: "Vergiß die Nudelsuppe, sattle auf und komm mit." Was er wohl gefunden hat?
Wir gehen zu der Hütte, doch kurz vorher biegen wir ab. Da steht ein Pritschenwagen, auf dem ist "terre des hommes" draufgeschrieben. Pat erklärt: "Eben grad sind zwei Frauen und ein Mann angekommen, sie sprechen Englisch, haben hier ein Haus und sind von der Entwicklungshilfe, sie haben uns zum Essen eingeladen." Na also! Im Vorraum dürfen wir außerdem schlafen.
Die jungen Leute kommen geradewegs aus der Hauptstadt Vientiane und wollen den Bergbewohnern Grundsätze der Hygiene nahebringen und die Kinder vor den hier besonders aktiven Menschenhändlern warnen, deren Versprechungen sie nicht erliegen sollen. Als es dunkel wird und wir vom Bad im nahegelegenen Flußlauf zurückkommen, hat sich schon eine beträchtliche Zahl Kinder auf der Terrasse des Hauses versammelt. Wir setzten uns dazu, mit den Kleinen kann man gut spielen. Erst vollführen wir ein paar Akrobatikstücke, die diese dann begeistert nachzumachen versuchen. Singen mögen sie auch gern, doch unsere westlichen Melodien scheinen sie nicht mitzureißen. Schon haben sie ein Tamburin und eine Trommel organisiert und nehmen uns das Heft aus der Hand. Zwei der älteren Jungen, sie mögen wohl 12 oder 14 sein, trommeln begeistert drauflos, ein hübsches Mädchen wird von ihren Freundinnen vorgeschickt und sie beginnt in jener eigenartigen Sprache zu singen, gar nicht so piepsig und flüssig wie das Laotische, nein, die Sprache in den Bergen klingt gröber und aus ihrem Mund melancholisch.
Zum Essen Eidechsen und Papageien
Die Kinder lächeln vereint und bewegen sich verspielt dazu. Die Mädchen im Sitzen während ein paar Jungs am hinteren Ende der Terrasse grinsend tanzen. Um nicht als Langeweiler dazustehen wiege ich mich auch im Rhythmus, ziehe damit aber alle Aufmerksamkeit auf mich und lehne mich deshalb schon bald beschämt wieder an das Geländer. Unten, neben der Hauswand brennt währenddessen ein kleines Feuer, ältere Mädchen, drei oder vier, sitzen Drumherum, ein Topf lehnt halb über den Flammen und, ah, sie wenden die große Eidechse schon, die auf dem Feuer liegt, schaben die Schuppen ab und schlitzen sie nun auf. Im Topf werden die beiden jungen Papageien sein. Na, da bin ich aber auf unser Essen gespannt.
Wieder wende ich mich den Kindern zu, sie haben aufgehört zu musizieren, die Jungs belagern mich nun, ich tue so, als fühlte ich mich bedroht, trete ein paarmal schwungvoll in die Luft und wir sind mitten dabei einen Schaukampf zu führen und jeder möchte den Tritt mit der vollen Drehung schaffen und dabei den männlichsten Grunzlaut ausstoßen. Das Essen sei fertig berichtet mir die junge Frau. Also, Gute Nacht bedeute ich den Kindern, bis morgen.
Unter dem Geplärre der zurückbleibenden Schar betreten die drei Laoten, Pat und ich das Haus. Beim Schein der Funzel genießen wir zum kalten Reis die von den Kindern gekochten Leckereien.
"Morgen wollen wir weiter in die Berge vordringen." geben wir bekannt und befragen unsre Gastgeber dazu. "Oh, ja schön" sagen sie, "aber paßt auf, die Bergbevölkerung ist Fremden gegenüber sehr zurückhaltend, wenn nicht gar feindlich eingestellt." Im letzten Jahr seien zwei Laoten grundlos von ihnen gefangen genommen worden und erst nach Wochen freigelassen worden. Der eine, weil Freunde nach ihm suchten, der andere, weil er Malaria bekam und sie ihn nicht sterben lassen wollten, erklärt der junge Mann. Das sind ja Aussichten, denke ich. "Aber," so werfen die Entwicklungshelfer ein, "ihr fallt bestimmt so aus dem Rahmen, daß sie gar nicht wissen, was sie mit euch anstellen sollen, denn ihr Mißtrauen richtet sich vornehmlich gegen das Volk aus den Tälern, gegen uns Laoten, die wir die Gesetze machen und das Land regieren." Nach dem Essen ziehen sie sich zurück und auch wir legen uns unter dem Schutz des Moskitonetzes schlafen.
Der heute wolkenbedeckte Morgenhimmel verheißt auch keine kühleren Temperaturen, höchstens vielleicht einen kurzen und intensiven Regenguß. Zum Frühstück haben wir wieder Reis gegessen, als Proviant führen wir noch aus der Stadt einen Korb Klebreis, Honigwaffeln und eine große Tüte geschälter Erdnüsse mit, dazu sechs Liter Wasser und ein paar Streifen Entkeimungstabletten. Mal sehen, wie weit wir damit kommen.
Der kleine Pfad, den wir beschreiten, führt am letzten Haus des Dorfes, einer Einsatzzentrale des laotischen Bombenräumdienstes, vorbei. Nach nur wenigen Minuten schon sind wir auf einem Hügelkamm, von dem aus wir sowohl Taoy als auch zwei weitere Dörfer sehen können. Links neigt sich die Erde steil und an dem Hang wachsen nur wenige Bäume, rechts, wo sich der Hügel nur sehr langsam dem Tale nähert, wurde der Baumbestand abgebrannt und das verbrannte Land harrt nun durstig dem Beginn der Regenzeit, die unmittelbar bevorsteht. Die Hügellandschaft scheint zwar fruchtbar zu sein, doch ist die Humusschicht nicht allzu dick und die Bauern müssen alle paar Jahre eine weitere Fläche brandroden, um unverbrauchte Böden für intensive Landwirtschaft nutzen zu können. So zerstören sie auf lange Sicht ihre Lebensgrundlage, doch sie haben kaum eine andere Wahl. Aus ihrer angestammten Heimat, den Ebenen, wurden sie, wie auch viele andere Stämme Indochinas, von Taivölkern, Vietnamesen und Chinesen in die unwegsamen Vorgebirge verdrängt. Hier müssen sich die "Lao-Theung" den gegebenen Umständen notgedrungen anpassen.
Unser Pfad führt durch dichte Bambushaine und über Bachläufe überspannende Baumstämme schließlich in das Nachbartal, wo wir einen Fluß vermuten. Bei einer der vielen Trinkpausen holt uns eine Gruppe älterer Frauen und Männer ein, sie alle gehen barfuß und doch haben sie einen schnelleren Schritt drauf als wir.
Kurz nach ihnen erreichen wir die kleine Ansiedlung. Wohl ein Dutzend Hütten sind im Kreis angeordnet, ein paar Bambuspflöcke markieren den äußeren Kreisumfang, vor dem rechten Haus sehe ich Blumen in einer rostigen Schale einer Bombenhälfte wachsen. Wir laufen mitten über die Fläche, Hunde schlagen an, die halbnackten Frauen schauen mit gerunzelter Stirn von ihrer Arbeit auf und mustern uns zweifelnd. Wir merken, daß man uns hier nicht willkommen heißen wird, daher sehen wir zu, daß wir weiterkommen und ich lasse meinen Fotoapparat eingepackt.
Der Pfad führt uns noch ein paar Stunden weiter, bis er sich schließlich an den erwarteten Fluß anschmiegt. Als wir nun die dicken Bambussträucher bemerken, kommt uns eine verwegene Idee: wir könnten uns ein Floß bauen und einfach den Fluß hinuntertreiben. Irgendwo wird er schon hinführen. Unser Essensvorrat wird allerdings nicht ausreichen. Aber das macht vorerst nichts, es wird schon irgendwo Menschen geben, die etwas für uns übrig haben. Und schon sehen wir Leute. Etwas weiter stromabwärts führt eine Art Brücke über den Fluß. Über große, vom Wasser umflossene Steine sind Stämme gelegt und dort sind auf der ganzen Breite des Flusses verteilt Fischer bei der Arbeit. Es sind Frauen und Jungen, die ihre Netze auswerfen und teils nackt, teils in voller Bekleidung, hinterherspringen. Sie haben uns bemerkt, genieren sich aber nicht und winken uns zu. Wir freuen uns über das schöne Bild und gehen hinunter zu ihnen, grinsen dem heraneilenden und dann besonders schwungvoll ins Wasser springenden Jungen zu, setzen uns auf einen großen Fels und beschauen das Treiben.
Der Floßbau
Im Licht der Nachmittagssonne, bei frohgemutem Wassergespritze, brechen wir unsere Vorräte an und beschließen, danach mit dem Floßbau anzufangen. Etwas weiter flußabwärts schlagen wir uns vom Weg in die Büsche, um nach besonders dickem Bambus zu suchen. Der Bewuchs ist so dicht, daß wir keinen vernünftigen Weg einschlagen können. Geduckt und unter ständigem Zurufen durchlaufen wir den Hang. Als wir die Suche aufgeben, haben wir nichts außer zerkratzten Beinen und einer Menge Ameisen in den Haaren. Wieder am Fluß laufen wir ein Stück weiter und entdecken dort tatsächlich einige passable Gewächse. Wir nehmen die Arbeit in angriff. Pat setzt mit der Taschenmessersäge an und ich ziehe die Stämme aus dem Gestrüpp zum Fluß. Dieweil wir so einen Haufen zusammentragen, zerteilen wir sie in über mannshohe Stücke. Doch als wir sie schließlich im Wasser haben, ergibt sich eine kleine Enttäuschung: die sind so schwer, daß sie kaum über Wasser bleiben. Da könnten wir gleich darauf verzichten und selber schwimmen. Das war also nichts!
Aber da lag doch etwas weiter zurück ein umgefallener Baum, fällt es uns ein, und dann noch so ein Fußende von einem Stamm. Die Bambusstücke könnten wir ja an das Stammholz als Stabilisierung anbauen. Pat will also das Fußende ins Wasser lassen und ein wenig experimentieren und ich mache mich auf die Suche nach einem Beil. Noch etwas weiter am Hang haben wir Hütten gesehen. Die sind auch augenscheinlich bewohnt: eine alte Frau hockt in der Tür. Nein, sie scheut nicht zurück, doch als ich ihr mein Begehr zu verdeutlichen versuche, winkt sie unverständig ab. Ich lasse das aber nicht gelten und mache weiter Hackbewegungen vor und dann kippe ich unter knarzendem Geräusch wie ein Stamm. Jetzt hat sie verstanden. Aha, da kommt das Eisen zum Vorschein. Ich nehme es, verbeuge mich dankend und bekunde es zurückzubringen, das entlockt ihr nun doch ein kleines Lächeln.
Auf dem Rückweg besehe ich das Ding genauer und bin ein wenig enttäuscht. Das ist eine bessere Sichel. Vielleicht schwerer aber gewiß nicht schärfer. Unterdessen tummelt sich Pat im Wasser. Mein eben einsetzendes Hacken ruft ihn bald heraus. Als er zu mir heraufgestiegen ist, bin ich noch nicht allzuweit fortgeschritten. Das Hacken ist eine Qual, gewissermaßen wie der Versuch mit einer Gabel Brot zu schneiden oder sich mit einem Löffel unter einer Gefängnismauer durchzugraben. Wir wechseln uns ab. Als wir die Hälfte geschafft haben, naßgeschwitzt sind und die Kleider den Insekten zum Trotz abgelegt haben, besuchen uns zwei neugierige Fischer mit ihren Einbäumen. Der Zufall will es und der lendenbeschürzte Ältere hat den Zwillingsbruder unsres Beiles dabei und will uns helfen. Mit einem ungeahnten Eifer macht sich der drahtige Mann an die Arbeit und beweist nicht nur mehr Kraft in den Schlägen, sondern er hat auch mehr Ausdauer als wir.
Die Sonne ist kaum untergegangen, da wuchten wir mit langen Knüppeln den gekürzten Stamm ins Wasser, er reißt noch einen Ameisenbau mit und platscht dann in den Fluß. Wir binden ihn gleich an. Für heute ist genug getan, denn wir müssen auch an die Nacht denken und uns ein Quartier suchen. Noch einmal springe ich in den Fluß, um den Schweiß loszuwerden und um die Wasserflaschen wieder aufzufüllen. Mit einem dem Mann wohl befremdlich vorkommenden Händedruck verabschieden wir uns und er freut sich, uns geholfen zu haben. Das Beil bringe ich noch schnell zurück, frage auch gleich nach Essen und Übernachtung, das versteht man natürlich. Aber die Frau winkt ab. Stattdessen sollen wir ihrem Sohn folgen.
Westliche Geschenke
Wir folgen ihm über die Brücke ans andere Ufer. Da legt gerade ein flußabwärtsfahrender Einbaum an. Aus dem Bauch wuchtet der Fahrer einen großen Sack an Land. Wie es scheint haben wir denselben Weg und also bieten wir uns an, das Ding zu tragen. Wir legen ihn über eine Stange, die wir auf die Schultern nehmen. Auf dem sich hinziehenden Pfad lese ich die Aufschrift auf dem Sack: "Ein Geschenk Polens", es ist ganz offensichtlich Reis. Da ist also selbst hier in den Bergen von Südlaos die europäische Entwicklungshilfe gegenwärtig. Erstaunlich! Doch nicht minder enttäuschend! Was soll denn das? Reis hierher in die Berge zu schicken. Auf diese Weise macht man den Stamm der Bergbewohner abhängig von Reislieferungen und entbindet ihn von der Pflicht selbst Nahrungsquellen für sich zu erschließen. Das Regulativ Nahrungsangebot wird so ausgehebelt und die Überbevölkerung steht vor der Tür.
Sicher ist es verständlich, für einzelne Menschen, die hungern, Mitleid zu empfinden und ihnen Essen anzubieten. Aber kann es ein wirklich menschliches Ziel sein, die ausufernde Vermehrung der Menschen zu fördern, die dann, kaum geboren, zu leiden haben. Und das haben hier die meisten Kinder, auch dann, wenn sie in den nächsten Jahren in Berührung mit der Zivilisation kommen, dann nämlich droht ihnen Verkauf oder Verschleppung in die Stadt oder in ein Nachbarland. Oder sie werden Opfer der sich mit den Menschen ausbreitenden Malaria. Außerdem verursacht der, mit der Lieferung von Nahrungsmitteln geförderte, Bevölkerungszuwachs dauerhafte Leiden durch vermehrte Brandrodung und Naturzerstörung. Deshalb ist im Spenden von Reis, so bitter es für den einzelnen klingen mag, keine Nachhaltigkeit zu erkennen.
Es dunkelt schon, als wir ein Dorf erreichen. Hier stehen viele Häuser auf Stelzen und die Menschen, angetan mit ausgewaschener bunter Kleidung aus Europa, umringen uns. Erstmal den Reis abladen und dann schauen, was sich hier in Richtung Übernachtung machen läßt. Immerhin weiß der Junge, der uns hierhergeführt hat, wessen wir bedürfen. Statt uns also hin- und herreichen zu lassen, drängen wir auf das baldige Aufsuchen einer Schlafstatt. Sonst könnte sich der Abend allzuleicht hinziehen, ohne daß irgend etwas geschieht und wir blieben im unklaren über den weiteren Verlauf.
Gespielt müde aber doch mit lächelnden Gesichtern veranlassen wir die Herren uns in eines der vielen Häuser zu führen. Kissen und Matten werden ausgelegt und schon bald ist der Raum voll. Die Männer sitzen in der ersten Reihe und zwischendurch laufen und lugen Kinder. Na klar, gleich hinlegen können wir uns nicht, aber da bringt uns der Hausherr auch schon ein kleines Abendessen. Die Dorfbewohner haben scheint's schon gespeist. Den zu Bällchen geformten Klebreis tunke ich zaghaft in die Fischsauce und vermeide, allzuviel von dem geschuppten Tier dazuzubekommen. Sicher, das Essen ist sehr einfach, aber ich werde satt, ohne allerdings die laotische Küche hochzuschätzen. Wie arglos konnten wir dagegen in Indien unbekannte Speisen probieren, da sprang kein merkwürdiges Getier im Essen herum. Als das sprachlose Gespräch abzuflauen droht, gähnen wir kräftig und dürfen uns also hinlegen. Die Dorfbewohner unterhalten sich nun untereinander und steigen noch das ein oder andere Mal über uns drüber oder beschauen sich unsere Rucksäcke, wann sie ins Bett gingen, habe ich gar nicht mehr mitbekommen.
Hohes Fieber und ein Krankentransport
Es beginnt zu dämmern, da erwache ich, die Hausgenossen sind schon auf den Beinen, also reiben wir uns den Schlaf aus den Augen und packen die Rucksäcke. Als Frühstück gedeiht der Hausherr uns die Reste vom Abend an und wir hinterlassen dem freundlichen Mann einen Obolus. Die Pläne des Tages in die Gedanken rufend und den Menschen zuwinkend schreiten wir den Pfad zum Fluß zurück. Jetzt die Stämme aneinander binden und die Schwimmfähigkeit überprüfen.
Wir sind noch gar nicht am Fluß angekommen, als der bis dahin stille Pat bekundet, wie unwohl es ihm gehe. Gestern abend schon hätte er Halsschmerzen und kaum Hunger, heute fühle er sich richtig mies. Ich schaue ihn mir an, Fieber hat er keines, er ist aber blaß im Gesicht. Ich stelle ihm die Frage, welche Richtung wir einzuschlagen hätten. Nur gequält kommt es aus ihm heraus, ja wir sollten umdrehen, wieder nach Taoy und nicht auf dem Fluß weiterfahren. Etwas verzweifelt wirkt er schon, denn auf der einen Seite steht das Abenteuer, die Floßfahrt ins Unbekannte, auf der anderen das bohrende Leid, das vielleicht von einer Halsentzündung herrührt. Die Entscheidung fällt uns nicht leicht, dennoch treffen wir sie letztendlich überzeugt.
Also, zurück Richtung Taoy. Am frühen Morgen zu laufen ist natürlich weitaus angenehmer als in den Gluten des Nachmittags. So legen wir einen zügigen Schritt vor, den Pat indes schon bald nicht mehr halten kann. Doch eine Pause will er auch nicht machen und es ist überhaupt nicht viel aus ihm herauszubekommen. Nur schnell ankommen möchte er. Der Weg zieht sich hin und ich denke immer, die kleine Siedlung müsse bald kommen. Weiter und weiter, doch so langsam! Ich nehme Pats Rucksack und laufe schon vor, dem Pfad kann er gut folgen und ich denke eigentlich, daß es ihm so schlecht nicht gehen könne. Seltsam allerdings: er hat noch kaum etwas getrunken.
Schließlich überspringe ich den letzten Bach und weiß, daß ich bald da bin. Der Mittag bringt eine große Hitze mit sich. Die Rucksäcke lege ich bei der Frau von vorgestern abend ab, zu meiner Enttäuschung sind die Entwicklungshelfer nicht mehr da. Aber irgendwie müssen wir in die nächste Stadt kommen. Das sind immerhin noch achtzig Kilometer. Ich frage mich durch und zu meiner Erleichterung erfahre ich, daß schon bald ein Pritschenwagen nach Salavan fährt. Dort gibt es bestimmt einen Arzt. Also gehe ich Pat entgegen und erspähe ihn schon bald. Er gibt kein Wort von sich, in Taoy legt er sich sogleich in den Schatten auf die Bank. Auch die Cola, die ich organisiert habe, bekommt er nicht herunter. Was ist nur los? Endlich fährt der Wagen vor, wir laden auf, und auf geht's.
Von einem komfortablen Krankentransport kann nicht die Rede sein. Die Piste ist zwar arm an Kurven, dafür reich an starkem Gefälle und Bodenwellen. Es ist fast eine größere Tortur als zu laufen. Pat döst vor sich hin, er schwitzt mächtig. Auf seine Nachfrage fühle ich seine Stirn und bin erschrocken. Was ich erahne bestätigt das Fieberthermometer. Wir sind unschlüssig. Sollen wir die Malariatabletten herausholen? Ist es nun soweit? Wir rechnen damit, erst am Abend in Salavan anzukommen, der Arzt ist also noch fern. Letztendlich obliegt es Pat. Sein Blick bedeutet mir die Tabletten zu holen.
Das Fieber sinkt bald wieder und als wir in Salavan sind, plagt ihn mehr der Rücken wegen der unangenehmen Fahrt als sonst etwas. Es gibt sogar ein Krankenhaus. Pat wird gleich auf Malaria untersucht, das Ergebnis erleichtert uns, doch ist damit nicht des Leidens Ursache geklärt. Wir quartieren uns für die Nacht in einer Herberge ein. Es geht Pat wieder besser und nun ist er wieder zu scherzen aufgelegt. Gleichwohl bin ich ein wenig enttäuscht, ich hätte gerne gewußt, wo der Fluß hinführt...
Malaria
Der nächste Tag beginnt unschön. Pat geht es deutlich schlechter. Wir suchen das Krankenhaus wieder auf. Er bleibt erst mal dort, in einem Bett in einem kahlen Raum. Immerhin nicht wie all die anderen, wohl um einiges ärmeren Menschen, in einem großen Saal auf Holzpritschen. Als am Abend das Fieber immer noch nicht unten ist, bringt ein zweiter Malariatest die harte Wahrheit ans Licht. Pat hat Malaria und wir werden noch einige Tage im Provinzkrankenhaus von Salavan verbringen, ehe wir die Strecke wiederaufnehmen und die Fahrt nach Norden fortsetzen können.
Frederic Holzwarth
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