Mit zwei Tassen Müsli durch den Dschungel   –   Sommerfahrt 2009


  - ©Weinbacher Wandervogel

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Mit zwei Tassen Müsli durch den Dschungel … Sommerfahrt der Langobarden nach Italien

Von der Sonne geblendet und von dem warmen Wind Italiens umweht wurde ich schließlich, am Strand von Scalea liegend, geweckt. Ich blieb noch etwas liegen und ließ mir die letzten zwei Tage noch einmal durch den Kopf gehen. Es ist schon verrückt vor ca. 40 Stunden standen wir noch in Staufenberg, um uns auf den Weg nach Frankfurt Hahn zu machen, um dann von dort einen Flieger nach Rom zu nehmen.


Wir kamen erst spät am Abend in Rom Ciampino an, allerdings wußten wir nicht recht wo wir waren, so beschlossen wir mit einem Shuttle-Bus zum Hauptbahnhof von Rom zu fahren. Zu unserem Bedauern war es schon zu spät, um mit einem Zug weiter gen Süd zu fahren. So waren wir gezwungen am Bahnhof gegenüber vom Polizeirevier zu schlafen. Jeder kann sich, denke ich, sehr gut vorstellen, daß man dort nicht viel schlafen kann. Als es dann endlich fünf Uhr war und der Bahnhof wieder zum Leben erwachte, begannen wir einen möglichst billigen Zug Richtung Kalabrien zu suchen. Nach einiger Zeit entschieden wir nach Neapel zu fahren. Dort angekommen, suchten wir einen Anschlußzug nach Scalea, einem Ort an der Westküste mitten in Kalabrien. Allerdings hatten wir fünf Stunden Aufenthalt, dies nutzten wir, um uns einmal Neapel anzusehen und echte italienische Pizza für gerade mal drei Euro zu essen. Als dann endlich unser Zug los fuhr, waren wir sehr glücklich, da wir sehr müde und erschöpft waren. Mitten in der Nacht in Scalea angekommen, beschlossen wir kurzer Hand unser Lager am Strand aufzubauen. Als mir nun bewußt wurde, was geschehen war und wo wir waren, hielt es mich nicht länger im Schlafsack. Wie auf ein geheimes Kommando hin stürzten alle aus ihren Schlafsäcken direkt ins Meer. Nach einem ausgiebigen Bad schauen wir uns den Nationalpark, den wir in den nächsten Tagen durchqueren wollten, auf der Karte an. So jedenfalls war unser Plan...


Nachdem wir das kleine Bergdorf Orsomarso erreichen, daß am Rande des Nationalparks liegt, gönnen wir uns am Straßenrand eine ausgiebige Wasserschlacht am Brunnen, denn es ist gerade die heißeste Zeit in Italien mit geschätzten 40°C. Nun soll es losgehen! Unser Weg verläuft immer an dem wild strömenden Gebirgsfluß Argentino, der den Nationalpark einmal durchquerte, entlang. An diesem Morgen gibt es für jeden Müsli und da es schon recht warm ist, wollen wir uns auch in dem Fluß abkühlen. Der Fluß aber ist eisig kalt und man gewöhnt sich nur langsam an die Kälte. Ron und Micco klettern gegen die Strömung durch den Fluß. Wir warten wir nicht lange und folgen ihnen. Es ist schwer voran zu kommen, da die Strömung so stark und das Wasser so kalt ist. Den Kampf gegen den Fluß müssen wir schließlich beenden, da wir noch weiter laufen wollen. Der Fluß schlängelt sich einmal quer durch die Berge hindurch bis zum Meer. So kommt es auch, daß wir nicht immer direkt am Fluß entlang laufen können, sondern auch über die Berge müssen. Es gibt nur kleine verwilderte Pfade, also muß man aufpassen wo man hintritt, um nicht hunderte Meter tief zu stürzten. Von den Berggipfeln hat man einen hervorragenden Blick über die Landschaft. Nebenbei bemerken wir, daß es nicht annähernd so trocken und karg ist, wie wir es in Italien vermutet hätten. Der Nationalpark ähnelt viel mehr einem Dschungel, denn es gibt dichten grünen Wald und überall Lianen. Was bei Tarzan funktioniert, das müßten wir doch auch können. Tatsächlich schaffen wir es, uns mit Lianen durch den Dschungel zu schwingen. Nur leider reißen die Lianen öfters ab oder man prallt mit viel Schwung gegen Bäume, was zu etlichen blauen Flecken führt. Nachdem wir uns nun bereits ein paar Tage durch den Dschungel geschlagen haben und seit unserem Start in Orsomarso keinen Menschen mehr gesehen haben, werden wir etwas unruhig, da uns das Essen knapp wird. Dies steigert sich in den nächsten Tagen dahingehend, daß wir zum Frühstück und zum Abendessen nur noch eine Tasse Müsli pro Person haben. Unser Weg, oder besser gesagt unser Pfad, beginnt nun in eine andere Richtung zu führen und zu unserem Bedauern endete er im Fluß. Ehe wir uns versehen sind wir in einer Schlucht gefangen! Wir beschließen nun dem Fluß aufwärts zu folgen, denn schließlich muß irgendwo im Osten wieder Zivilisation zu finden sein. Da es nun keine Wege mehr gibt und es rechts und links steil nach oben geht, müssen wir direkt in dem Flußbett laufen. Dies geht sehr gut, da man immer auf große Steine springen kann, die im Fluß liegen. Nur selten müssen wir wirklich durch den Fluß waten. Wir glauben uns bereits am Ziel, als vor uns ein Berg erscheint, von dem der Fluß herunter fließt. Nun müssen wir gleichzeitig durch den Fluß waten und den Berg hinauf klettern. Es ist ein wahrer Kraftakt sich die nassen und glitschigen Felsen immer wieder mit Rucksack hinauf zu ziehen. Letztendlich entscheiden wir uns, Micco und mich ohne Gepäck voraus zu schicken, um nachzusehen, wie viel Höhenmeter noch vor uns liegen, um dann zu entscheiden ob man dort überhaupt weiter laufen könne. So gehen Micco und ich voraus. Es geht sehr steil den Berg hinauf, dazu kommt, daß der Fluß wie ein Wasserfall den Berg hinunter schießt. Als wir nun ca. 100-200 Meter hoch geklettert sind und noch kein Ende sichtbar ist, treffen wir eine Entscheidung. Da es kein Weiterkommen gibt, weil der Berg zu steil und es mit Rucksack einfach zu gefährlich geworden wäre, kehren wir um. Leider.


Wir haben noch für ein Abendessen und für ein Frühstück je eine Tasse Müsli pro Person. Hinzu kommt, daß wir die gleiche Strecke in ca. zwei Tagen zurück laufen müssen, für die wir auf dem Hinweg mehr als vier Tage gebraucht haben. Als wir spät abends an unserem zweiten Lagerplatz im Nationalpark ankommen, sind alle so erschöpft und hungrig, daß wir an einer Tasse Müsli 15 Minuten kauen, um ein nahezu sättigendes Gefühl zu bekommen. Wir lassen uns dennoch nicht unterkriegen und feiern Jojos 18. Geburtstag mit Wunderkerzen im wohl abgelegensten Wald in Italien. Mitten in der Nacht bestellt uns auch eine tollwütige Wildsau, oder etwas ähnlich Brüllendes und Kreischendes, noch ihre Geburtstagswünsche. Als wir am nächsten Tag schließlich wieder in Orsomarso ankommen, suchen wir uns ein Quartier, um uns etwas zu erholen. Eine nette Englisch sprechende Frau nimmt uns auf und macht uns auch sofort Pasta, da wir offensichtlich so verhungert aussehen. Dennoch können wir uns das spektakuläre Dorffest nicht entgehen lassen, was an diesem Abend stattfinden soll. Das ganze Dorf ist mit bunten Lichtern geschmückt, ein Musikzug spielt auf und viele Menschen folgen einer langen Prozession mit der Marienstatue. Man beobachtet uns trotzdem wie Außerirdische, denn das ganze Dorf hat schon von uns gehört.


Nach einem lieben Abschied von unserer Gastgeberin ziehen wir die nächsten Tag entlang einiger Küstenstädte gen Nord, da wir die letzten Tage in Rom verbringen wollen. Mit einem Nachtzug geht es dann nach Rom. Dort angekommen machen wir uns gleich auf den Weg zu Padre Ricardo vom "St. Maria Himmelsfahrtorden", den wir voriges Jahr kennen gelernt hatten. Da das Kloster bereits belegt ist, organisiert er uns in einer Theologischen Universität des St. Maria Himmelfahrtordens eine Schlafmöglichkeit. Wir bekommen zu unserem Erstaunen jeder ein Bett mit Bad und allem drum und dran, da gerade Semesterferien sind. So verbringen wir die restlichen Tage fürstlich in Rom, bevor es dann wieder nach Hause geht.

Frodo

[Fotos]

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© 2001 - 2010 Weinbacher Wandervogel (Impressum), Kontakt: bund@weinbacher-wv.de, Letzte Änderung: 2010-07-10 10:14

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